Danke Kollege Schiller

Sie hatten sich 1777 für das Studium der Medizin entschieden, die ja damals eng mit der Philosophie verbunden war. Wie körperlich ist das Geistige und umgekehrt: wo im Körper sitzt der Geist? Das war damals die Diskussion. Ihre erste Dissertation über die "Philosophie der Physiologie" fiel durch. Das war die, in der Sie über das Labyrinth in Ihrem Innern schrieben. In der Sie erklären wollten, wie aus körperlichen Reizen die Phänomene der Bewusst-seinswirklichkeit entstehen: Reiz verursacht Sensation des Sinnesorgans - Sensation wird zum Zeichen, das der Verstand liest und interpretiert. Da wird die Aufmerksamkeit, die den Reiz ermöglicht, zu einer entscheidenden Funktion.

Auch Ihre zweite Dissertation fiel durch - da ging es Ihnen um die Paracelsische Unterscheidung zwischen entzündlichen und fauligen Fiebern. Erst Ihre dritte Dissertation wurden angenommen: "Versuch über den Zusammenhang zwischen der tierischen Natur des Menschen mit seiner geistigen." Der Aufmerksamkeit hatten Sie jetzt ihre Aufgabe präziser zugeschrieben. U.a: Von Natur aus sei dafür gesorgt, dass überlebenswichtige Sensationen als Reizsignale von der Peripherie des Körpers bis zum Geist gelangen - selbst wenn die Aufmerksamkeit dem entgegenwirke. Sie könne körperliche Bedürfnisse abschwächen oder steigern, aber eben nicht eliminieren. Sehr wohl, da stehen wir heute noch.

Und als Sie dann die Leiden Ihres depressiven Kom-militonen Grammont erfassten, indem Sie beim Befragen "seine eigene Sprache gebrauchten", das hätte ja den Carl Rodgers vor Neid erblassen lassen. Aber wie Sie dann diese Depression mit "Fehler im Verdauungsgeschäft, Mattigkeit und Kopfschmerzen" als Folge der Abkehr von einer religiösen Festlegung durchschauten - das war verhaltenstherapeutische Maßarbeit. Und so zwischen drin, in jeder freien Minute, schrieben Sie erstes großes Stück zu Ende: "Die Räuber". Leider endete damit auch Ihr wissenschaftliches Engagement für die Psychologie. Damals waren Sie 21 Jahre alt.

Der 9. Mai 2013 war schon Ihr 213ster Todestag.

Wir haben zu danken, Kollege Schiller